Ist der Ruf erst ruiniert, …

Boule lebt davon, dass sich die Parteien bewusst freundlich gegenüber treten. Man spielt ja auch gegen die Kugeln und nicht, zumindest vordergründig, gegen den Menschen. Dahinter stecken auch die Grundlagen, die für alle Präzisionssportarten gelten, nämlich dass der Kopf für das Spiel „frei“ sein muss. Boulespieler achten also darauf, sowohl ihre Mit- als auch Gegenspieler/-spielerinnen nicht zu stören. Das sagt sich jetzt ganz leicht und ist auch keine klare Aussage, weil die Schwelle, ab der man sich gestört fühlt, bei jedem Spielenden anders liegt. Der Rauch einer dicken Havanna-Zigarre kann da genauso fehl am Platze sein, wie laute Jubelrufe über eigene Aktionen oder gar ein Auslachen des Gegners, wenn etwas schief lief. Auch das Hin- und Herlaufen, wenn gerade ein Spieler/Spielerin der anderen Mannschaft im Wurfkreis steht, kann ungemein stören. Dass ein Spielpartner/-partnerin immer unterstützt und bei Fehlwürfen nicht mit „hab ich’s nicht gesagt?“ runter gemacht werden sollte, wäre wohl auch eine solche Störung, dann aber der eigenen Mannschaft. Natürlich bekommen alle Spielenden keinen Knebel verpasst und werden auch nicht einbetoniert, aber Respekt und Rücksichtnahme ist hier das Gebot der Stunde. Es sollte aber auch klar sein, dass das auch für das spielende Team gelten sollte: Der im Wurfkreis Stehende muss sich somit genauso respektvoll verhalten und nicht die gegnerische Mannschaft anschnauzen, nur weil sie sich mal nicht so perfekt gegeben hat. Oftmals kann in einer solchen Situation eine Prise Humor oder ein entwaffnendes Lachen über sich selbst die Lösung bei eskalierendem Verhalten sein, denn ich selbst als Spieler benötige ja auch den freien Kopf und nicht ein Sammelsurium an Schimpfwörtern, die ich der gegnerischen Mannschaft am liebsten an die Köpfe werfen würde. Die Boulegruppe sollte sich daher schon untereinander verständigt haben, welches Verhalten akzeptabel ist. Dies gilt um so mehr, wenn sich plötzlich viele unbekannte Gesichter auf dem Platz zeigen sollten, sei es auf fremden Plätzen oder mit vielen eingeladenen Gast-Spielerinnen und -Spielern. Für uns Boulebegeisterte gibt es da keine starren Regeln, kein Richtig oder Falsch, sondern eher die Überlegung, was an diesem Ort zusammen mit diesen Spielenden angemessen ist oder eben nicht. Und wenn Gäste mit den Gepflogenheiten einer Boulegruppe überhaupt nicht zurecht kommen sollten, spielen sie die nächsten Male woanders … 

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